Tomaschett Martina

Martina
Tomaschett
Coiffeuse
1968
Chur
Getrennt
Chur
SP
Grossratstellvertreterin


Haben Sie ein Lebensmotto, wenn ja welches?
Für meine Mitmenschen immer ein offenes Ohr zu haben, und Ihre Sorgen und Anliegen ernst zu nehmen.

In welchem Umfeld bewegen Sie sich:
In Sozialen Umfeldern, ehrenamtlich tätig in Vereinen und Verbänden.

Beschreiben Sie uns Ihren politischen Werdegang – Ihre Motivation:
Durch meine Ehrenamtlichen Tätigkeiten, werde ich immer wieder automatisch mit den positiven wie auch negativen Auswirkungen der Politik für die betroffenen Menschen konfrontiert. Nun möchte ich mich gerne auch selber einbringen, weil mir dass sehr wichtig ist, dass Menschen „wie du und ich“ in der Politik mitwirken und Gehör finden, nicht nur „Politprofis“, die oftmals recht distanziert (abgehoben) politisieren

Was möchten Sie als Grossrätin bzw. Grossratsstellvertreterin bewegen?
Ich möchte das es allen Menschen in der Gesellschaft gut geht und jede oder jeder ein würdiges Leben führen kann. Sorge dafür tragen, dass es keine „Randgruppen“ gibt, die abgehängt werden. Menschen eine Stimme geben, die keine Lobby haben.

Wo sind Ihre Schwerpunkte?
Sozialpolitik zu machen mit einem normalen Menschendenken. Soziales wird immer gleich als teuer empfunden. Geld, das in Soziales, Kultur oder Bildung fliesst, spiegelt natürlich nicht einen materiellen Gegenwert. Aber es ist eine Investition in ein würdevolles Leben für alle Menschen und gegen die Spaltung der Gesellschaft in Arm/Reich, Mann/Frau, Behindert/Nichtbehindert, Einheimischer/Migranten. Bildung und Aufklärung auch und gerade für die sogenannt „Schwächeren in unserer Gesellschaft“, wie zum Beispiel: Menschen mit einer Behinderung, oder ältere Menschen.  Frauen als Opfer von häuslicher Gewalt oder allein erziehende Frauen müssen anerkannte und respektierte Mitglieder unserer Gesellschaft sein, nicht arme Opfer, denen man etwas Unterstützung zukommen lässt. Sie müssen Gelegenheit bekommen, sich entfalten zu können und ein Selbstbild zu entwickeln, das ihrer Person gerecht wird und nicht ihrer Funktion alsArbeitskraft und Mutter, die im Zweifelsfall noch den öffentlichen Kassen zur Last fällt…

Haben Sie (politische) Vorbilder?
Elisabeth Selbert , Mitglied im parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz der BRD erarbeitete. Eine von 4 Frauen in diesem Rat. Sie hatte es schwer die Bildung zu erreichen, die sie erreichen wollte. Sie war im Bezug auf Gleichberechtigung der Zeit weit voraus und war deshalb auch in ihrer Partei, der SPD nicht unbedingt beliebt. Doch sie kämpfte unbeirrbar. Es brachte ihr nicht Ruhm oder Rang und Namen, aber sie bewirkte das der Satz „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“ Eingang ins Grundrecht fand.

Das finde ich vorbildhaft, wenn sie sich ohne Rücksicht auf die eigene Karriere für das einsetzt, was sie als richtig erkannt hat.

Was heisst Gleichstellung für Sie und was brauchen wir um die Gleichstellung in Graubünden zu fördern?
Es geht um die Gleichstellung aller Menschen, ohne Ansehen von Rasse, Herkunft und Geschlecht. Dazu braucht es -wie vorher schon erwähnt- ein normales Menschendenken und sich in die Lage unserer Mitmenschen hineinzuversetzen.

Gleichstellung bedeutet, das alle Menschen in unserer Gesellschaft ernst genommen und gehört werden, nicht nur diejenigen, die es sich leisten können für ihre Interessen lautstark die Trommel zu rühren. Auch Menschen, die nicht im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit stehen, müssen gehört und vertreten sein. Dazu gehe ich auf Menschen zu, interessiere mich für sie und höre ihnen zu. In Graubünden -wie auch anderswo- braucht es nicht die Politik der grossen Worte, sondern Wahrnehmung und Achtsamkeit aufeinander und im Alltag das Miteinander. Schliesslich geht es nicht um Einzelinteressen, sondern um Kompromisse, die für alle tragbar sind. Es braucht nicht politische Parolen, sondern das Reden und Argumentieren über Parteigrenzen hinweg zum Whole des Kantons.

Würden Sie es befürworten, dass der Kanton Graubünden generell mehr Massnahmen zur Gleichstellung ergreift?
Auf jeden Fall. Gleichstellung für alle sollte selbstverständlich sein. Die Regierung sollte ein Monitoring einrichten und es sollte regelmässig im Grossrat darüber berichtet werden, welche Fortschritte erzielt werden und wo noch Handlungsbedarf herrscht.

Die Nichtsanktionierung von Teilzeitarbeit kann dazu beitragen, dass familiäre Pflichten zwischen den Geschlechtern weniger einseitig verteilt werden. Wie stehen Sie zu Jobsharing und Teilzeitpensen auch in Führungspositionen?
Das sollte im Zeitalter der Teamarbeit selbstverständlich sein. Es würden dann auch Frauen zum Zuge kommen, da sich der Beruf mit Kind und Familie vereinbaren liesse. In Führungspositionen ist dies um so leichter möglich, da die Bezahlung ein Teilzeitpensum von Frau und Mann ermöglicht, dass der Familie finanziellen Spielraum lässt. Schwieriger gestaltet sich dies in schlechter bezahlten Positionen bzw. Branchen, wo die Teilzeitpensen dennoch recht hoch sein müssen (zusammen 150-170%), damit sich der Lebensstandart einigermassen halten lässt.

Jährlich findet im Grossrat das Mädchenparlament statt. Mentorinnen für Jungpolitikerinnen oder Teilnehmerinnen an überparteilichen Arbeitsgruppen sind stets willkommen. Inwiefern engagieren Sie sich persönlich ausserhalb des politischen Amtes für frauenrelevante Anliegen?
Ich bin in verschiedenen Organisation ehrenamtlich tätig, und in all diesen Tätigkeit ist eine Inklusion selbstverständlich. Jeder ist gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft. Frauenrelevant ist das Engagement in sofern, als gerade in der Selbsthilfe Graubünden auch Selbshilfegruppen ihren Platz finden und unterstütztwerden, die sich z.B. Themen widmen, die in besonderer Weise Frauen betreffen. So sind meist Frauen „Pflegende Angehörige“, Frauen betrifft das Thema „Brustkrebs“. Dies sind nur zwei Beispiele, wo in erster Linie Frauen betroffen sind.

Durchschnittlich stirbt alle 20 Tage eine Frau an den Folgen häuslicher Gewalt. Auch in Graubünden hat die Gewalt an Frauen stark zugenommen. Soll sich der Kanton verstärkt an Massnahmen zur Gewaltprävention beteiligen?
Unbedingt. Es kann nicht sein, dass in der heutigen Zeit einfach weggeschaut wird. Ich glaube auch, dass man nie genug tun kann um für dieses Thema zu sensibilisieren. Es darf kein Tabu-Thema sein. Häusliche Gewalt muss gesellschaftlich geächtet sein und konsequent strafrechtlich verfolgt werden!